OPERATIVE KINDERUROLOGIE
Phimose und Beschneidung
Ursachen, Behandlung und Bedeutung
Die Phimose bezeichnet eine Verengung der Vorhaut des Penis, bei der sich diese nicht oder nur schwer über die Eichel zurückziehen lässt. Eine gewisse Enge der Vorhaut ist bei Säuglingen und kleinen Jungen zunächst völlig normal, da sich die Vorhaut meist erst im Laufe der Kindheit natürlich löst. In vielen Fällen geschieht dies bis zum Schulalter von selbst, ohne dass eine Behandlung notwendig ist.
Von einer echten Phimose spricht man, wenn die Vorhaut auch nach dem 6. oder 7. Lebensjahr dauerhaft verengt bleibt oder Beschwerden verursacht. Typische Symptome sind Schmerzen beim Wasserlassen, Wiederkehrende Entzündungen (Balanitiden) oder Schwierigkeiten bei der Intimhygiene. Eine weitere Form ist die paraphimotische Einklemmung der Vorhaut hinter der Eichel, ein schmerzhafter Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Verengung. Leichtere Formen können häufig durch kortisonhaltige Salben und sanftes Dehnen der Vorhaut behandelt werden. Wenn diese konservativen Methoden nicht ausreichen oder wiederkehrende Entzündungen auftreten, kann eine operative Therapie sinnvoll sein.
Die Beschneidung (Zirkumzision) ist die häufigste operative Behandlung der Phimose.
Dabei wird die Vorhaut ganz oder teilweise entfernt, sodass die Eichel frei liegt. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und unter Vollnarkose oder Lokalanästhesie. Nach der Operation heilt die Wunde meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ab. Neben medizinischen Gründen kann eine Beschneidung auch kulturell oder religiös
motiviert sein. Medizinisch gesehen führt sie in den meisten Fällen zu einer dauerhaften Lösung der Beschwerden und erleichtert die Intimhygiene. Dennoch sollte jede
Entscheidung individuell, nach ausführlicher ärztlicher Beratung und unter Berücksichtigung des Alters und des Leidensdrucks des Kindes getroffen werden.
Kindlicher Hodenhochstand
(Maldescensus testis)
Der Hodenhochstand, auch Maldescensus testis genannt, ist eine der häufigsten urologischen Fehlbildungen im Kindesalter und betrifft etwa 2–4 % aller reif geborenen
Jungen. Dabei befindet sich einer oder beide Hoden nicht dauerhaft im Hodensack, sondern verbleiben entlang ihres physiologischen Abstiegsweges – meist in der Leiste – oder, seltener, außerhalb dieses Weges (ektoper Hoden). Die korrekte Lage der Hoden im Skrotum ist entscheidend für ihre Funktion, insbesondere für die spätere Spermienproduktion und die hormonelle Regulation.
Physiologisch wandern die Hoden im letzten Drittel der Schwangerschaft vom Bauchraum in den Hodensack. Bleibt dieser Abstieg aus, spricht man zunächst von einem nicht deszendierten Hoden, der sich im ersten Lebenshalbjahr häufig noch spontan absenken kann.
Persistiert die Fehlstellung jedoch über den 6. bis 12. Lebensmonat hinaus, liegt ein echter Hodenhochstand vor, der behandelt werden muss.
Man unterscheidet verschiedene Formen: den Leistenhoden, den häufigsten Typ, den Bauchhoden, der oberhalb des Leistenkanals liegt, sowie den Gleithoden, der nur zeitweise im Hodensack tastbar ist. Seltener tritt ein ektoper Hoden auf, der an atypischer Stelle liegt.
Die Therapie erfolgt stufenweise. Zunächst kann eine hormonelle Behandlung (z. B. mit GnRH oder hCG) versucht werden, um den Descensus zu fördern. Bleibt dieser erfolglos, ist eine operative Verlagerung (Orchidopexie) angezeigt, idealerweise im Alter zwischen 6 und 12 Monaten. Ziel ist es, die Hoden im Skrotum zu fixieren, um das Risiko für Infertilität, Hodentorsion und maligne Entartung zu reduzieren.
Nach der Operation sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, um Lage, Wachstum und Funktion der Hoden zu beurteilen. Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Behandlung sind die langfristigen Prognosen hinsichtlich Fertilität und Krebsrisiko in der Regel sehr gut.
